Die Stiftung Neue Energie wurde 1997 anlässlich des Stromnetzkaufes in Schönau/ gegründet. Wie kam es dazu, dass Bürger*nnen einer Kommune im Schwarzwald ihr Stromnetz gekauft haben? Beeinflusst von der Katastrophe in Terschnobyl hatten sie gemeinsam beschlossen, für eine Stromversorgung ohne Atomstrom einzutreten.

Ein bürgereigenes Energieversorgungsunternehmen, das in erster Linie ökologischen Zielsetzungen verpflichtet ist, sollte entstehen. Nach langen Kämpfen konnten sie diesen Plan in die Tat umsetzen und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) wurden gegründet. Zur Unabhängigkeit gehörte auch der Kauf des Stromnetzes. Der bisherige Eigentümer verlangte dafür eine überteuerte Summe, die nicht von den Menschen in Schönau allein aufgebracht werden konnte.

Um die fehlende Summe zusammen zu bekommen, gründete die GLS Treuhand 1997 die Stiftung Neue Energie. Sie übernahm die Durchführung der Spendenkampagne "Ich bin ein Störfall". Gezwungen durch einen Gerichtsbeschluss überwies der ehemalige Netzbetreiber ein Teil der überhöhten Kaufsumme wieder an die EWS. Ein Teil dieses Geldes ist zurück in die Stiftung Neue Energie geflossen und steht zur Realisierung der Stiftungszwecke zur Verfügung.

 

Wie mit Tschernobyl alles begann

Schon nach dem Super-Gau im Atomreaktor von Tschernobyl 1986 setzten sich die Bürger*innen der im Schwarzwald gelegenen Stadt Schönau für einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie ein. Gleichzeitig wollten sie einen aktiven Beitragzur Verhinderung der Klimakatastrophe leisten. Bei den durchgeführten Stromsparwettbewerben und der Finanzierung von Blockheizkraftwerken merkten die Schönauer nämlich, dass es vor allem die Unternehmenspolitik der Energieversorger– mehr Profit durch mehr Verkauf ist – die ökologische Ansätze verhindert. So entstand der Plan, ein bürgereigenes Energieversorgungsunternehmen zu gründen, das in erster Linie ökologischen Zielsetzungen verpflichtet ist und das aufzeigt, dass dervierzigprozentige Anteil von Atomstrom ersetzt und genauso gut vor Ort umweltfreundlicherzeugt werden kann.

 

Viele harte Kämpfe und zwei Bürgerentscheide waren notwendig, um den Plan in die Tatumzusetzen. Im März 1996 entschieden sich die Schönauer Bürger endgültig dafür, die Stromkonzession an die inzwischen gegründeten Elektrizitätswerke Schönau (EWS) zu vergeben und das Stromnetz vom bisherigen Energieversorger zurückzukaufen. Doch dann wurde gleich die nächste große Hürde sichtbar: Statt der vom Gutachter der Bürgerinitiative errechneten 3,9 Mio. DM für das Netz verlangte der bisherige Energieversorger KWR 8,7 Mio. DM haben – unter Energieversorgern eine beliebte Methode, Netzrückkaufplänevon „abtrünnigen" Gemeinden zu verhindern. Unter dem Druck der Öffentlichkeit reduzierten die KWR ihren Kaufpreis auf 5,8 Mio.DM. Im November 1995 entscheidet sich die Mehrheit des Schönauer Gemeinderatsfür die Vergabe der Konzession an die EWS. Dank der Beteiligung von Schönauern und Bürgern aus ganz Deutschland brachten die EWS 3,9 Mio. DM für den Netzkauf auf.

"Ich bin ein Störfall"

Um Spendengelder zu sammeln, starten die EWS Schönau und die GLS Bank im Frühjahr 1996 ein verwegenes Unterfangen: Sie wenden sich an die 50 größten deutschen Werbeagenturen mit der Bitte darum, eine Spendenkampagne für die EWS zu entwickeln. Mit zwei Bedigungen: Die Kamapgne muss pro bono erstellt werden, also kostenlos. Und: Die Agentur darf keine Verbindungen zur etablierten Stromwirtschaft unterhalten. Durchsetzen tut sich die Agentur D'Arcy, Masius, Benton & Bowles (DMB&B), die später von der Gruppe Publicis übernommen wird. Nicht nur die Werber, sondern auch Models und Fotografen arbeiten kostenlos. Die Anzeigen mit dem Slogan "Ich bin ein Störfall" und Modellen von Baby Hanna (9 Monate) bis zum Landwirt Ludwig Schad sind ein voller Erfolg und sorgen für Berichterstattung in Tageszeitungen, Radio und Fernsehen. Auch große Umweltorganisationen wie Green Peace rufen zu Spenden auf.

 

1997: Gründung der Stiftung Neue Energie

Für den überhöhten Teil der Forderung konnten die Schönauer keine weiteren Beteiligungen einfordern, da das Projekt sonst unwirtschaftlich geworden wäre. Um die fehlende Summe zusammen zu bekommen gründete die GLS Treuhand e.V. 1997 die Stiftung Neue Energie. Die von dem Schriftsteller und Ökophilosophen Carl Amery und der Bochumer GLS-Gemeinschaftsbank e.G. initiierte Stiftung übernahm die Durchführung der Spendenkampagne „Ich bin ein Störfall". Bis zur Netzübernahme kamen ca. 2 Mio. DM an Spenden zusammen. Dieses hohe Spendenaufkommen war zahlreichen Einzelspendern ebenso zu verdanken wie politischen Gruppierungen, Bürgerinitiativenund gesellschaftlichen Gruppen aller Art. Die Stiftung Neue Energieübergab die Summe in Form eines Darlehens (über die Umweltstiftung) an die EWS. Infolgedessen kam es noch 1997 zu einem Kauf des Netzwerkes durch die EWS.

Entwicklung der Stiftungsarbeit

1.195.098,76 Mio. € plus Zinsen

erhielten die EWS zurück, nachdem ein Gericht die Unverhältnismäßigkeit des Preises für das Stromnetz festgestellt hatte. Ein großer Teil davon floss für die Stiftungsarbeit zurück in die Stiftung Neue Energie.

 

2005: Im Juli 2005 stellte ein gerichtlich bestelltes Obergutachten fest, dass der Wert des Schönauer Stromnetzes lediglich 3,5 Mio. DM beträgt. Daraufhin erhielten die EWS die 1.195.098,76 Mio. € plus Zinsen zurück. Der Großteil des Geldes, das die EWS zurückerstattet bekommen hat, ist zurück in die Stiftung Neue Energie geflossen und steht dort wieder zur Realisierung ihrer Stiftungszwecke zur Verfügung.

2007: Die Stiftung setzt einen neuen Förderschwerpunkt auf den Klimaschutz.

2008: Die Stiftung Neue Energie hat sich 2008 mit insgesamt 26.000 € für regenerative Energien eingesetzt.

 

Strahlendes Klima

2009: Förderung des Jugend-Filmprojekt Strahlendes Klima (Original: Nuking the Climate). Mit einem selbstgedrehten Film hat sich ein 20-köpfiges Team junger, umweltpolitischer Filmschaffender in die aktuelle Debatte um klimafreundliche Energieformen eingemischt.

Vor dem Hintergrund, dass in Europa die Atomkraft wieder häufiger als Klimaretterin gefeiert wird, bezieht der Film einen klaren Gegenstandpunkt. Atomkraftwerke brauchen Uran. Die globalen Risiken, die bei dessen Abbau entstehen, werden oftmals ausgeblendet. Der Film zeigt, dass Atomstrom ein globales Produkt ist. Seine Erzeugung beginnt bereits beim Abbau des Rohstoffs Uran. Der Film beleuchtet die Risiken und Probleme, die beim ersten Schritt der nuklearen Produktionskette entstehen. Er dient keinen kommerziellen Zwecken, sondern will so viele Menschen wie möglich erreichen.

 

Stromwechseln wirkt!

Viele Menschen in Deutschland wollen weder Atomkraft noch neue Kohlekraftwerke. Trotzdem mussten 2010 95 % der deutschen Haushalte die Frage: „Sind Sie Kunde bei einem Ökostromanbieter?“ mit Nein beantworten. Dabei ist Ökostrom eine einfache, bezahlbare und effektive Möglichkeit, persönlich den Atomausstieg zu vollziehen und die Umwelt zu schützen.

Darum hat die Umwelt-NGO urgewald 2010 eine gezielte Informations- und Motivationskampagne für die Kundschaft von Bioläden gestartet. Sie macht den Wechsel zum umweltfreundlichen Strom so einfach und attraktiv wie möglich. Die Schauspielerin Anja Franke beteiligt sich als Schirmherrin. Jede Neukundin und jeder Neukunde erhält für den Wechsel einen Einkaufsgutschein für einen Bioladen, den die Ökostromanbieter bezahlen – das motiviert die Bio-Kundschaft zusätzlich. Die Stiftung Neue Energie fördert dieses Projekt als Maßnahme zur Unterstützung der Energiewende.

 

EnergieFAIR Preis verliehen

Mit der einmaligen Verleihung des Preises EnergieFAIRsorgung hat die Stiftung Neue Energie ein Zeichen für die Energiewende in Bürgerhand gesetzt. Ausgezeichnet wurden am 9. November 2012 vier Initiativen, die sich durch herausragendes ehrenamtliches Engagement auszeichnen. Alle Initiativen tragen mit ihren Aktivitäten zur dezentralen Energieversorgung mit regenerativen Energien bei. Sie sind Vorreiter und Vorbild für andere Initiativen. Sie machen ihre Ansätze öffentlich und damit nachvollziehbar und nachahmbar für Andere. Herzlichen Glückwunsch den Bürger Energie Berlin, Energiegewinner Köln (Projekt Webportal und Energie-Konten), Stiftung E-Werk Cottbus und Friedrich Wilhelm Raiffeisen Windpark eG Streu & Saale

Die Wende-Energie in Bürgerhand

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 hat die Stiftung Neue Energie die überparteiliche Kampagne zur Bürgerenergiewende unterstützt. Ziel dieser gesellschaftlichen Initiative ist es, eine sichere, klimafreundliche und ökologische Klimaversorung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger zu legen. So entfaltet sich die größte Akzeptanz und Dynamik in der Umstrukturierung des Energiesystems .

Das Projekt bietet allen, die die Energiewende unterstützen, die Möglichkeit eine Energiewende-Charta zu unterzeichnen, um so ihre Stimmen zu bündeln. Gleichzeitig können alle Unterstützer auch die Bundestagskandidaten ihres Wahlkreises aufforden, sich für die Fortführung der Bürgerenergiewende einzusetzen und so die Arbeit der neuen Bundesregierung zu beeinflussen.

2013 gehörten schon mehr als die Hälfte aller Anlagen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien den Bürgern.

"Party Future Lab": Was haben Klimaschutz und Party miteinander zu tun?

Was haben Klimaschutz und Party miteinander zu tun?Was sich auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort erschließt und in Städten meist noch auf der Agenda fehlt, wird in Berlin konkret: Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe bewegen die Clubkommision Berlin e.V. und clubliebe e.V. die Fragestellung: Wie bringen wir Feierkultur, Klimaschutz, soziale Verantwortung und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut?Die Organisator*innen des sog. "Future Party Lab" möchten Ideen für eine nachhaltige Feierkultur in der Hauptstadt entwickeln. So sollen Open-Air-Musikveranstaltungen umweltverträglich ausgestalten und mit Hilfe der Digitalisierung der Stromverbrauch auf Festivals und Veranstaltungen gesenkt werden.Nach einer ersten Auftaktveranstaltung im Sommer diesen Jahres wird die Veranstaltungsreihe mit einem Fokuslabor am 28. September 2017 in einem Berliner Club fortgesetzt. Gemeinsam wird nach kreativen, wirtschaftlichen Lösungen gesucht. Auch werden Vertreter*innen aus Politik, Senat, Clubszene und Umweltverbänden über ein mögliches Label für klimafreundliche Clubs diskutieren.Die Stiftung Neue Energie gehört zu den Förder*innen des Projekts.

400.000 Euro für Arbeit zu CO2-Preis an Germanwatch

„Wir brauchen ein faires Preis-und Abgabensystem für Energie in Deutschland und unsere Nachbarstaaten, mit einer CO2-Abgabe als Dreh-und Angelpunkt. (...) Mit Germanwatch haben wir dabei eine Partnerorganisation gefunden, die fachlich kompetent und bestens vernetzt ist, um sich für die dringend benötigte Gesetzgebung einzusetzen.“

 

Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer der Stiftung Neue Energie

Die Stiftung Neue Energie vergibt 2018 im Rahmen einer Ausschreibung 400.000 Euro für den Verein Germanwatch. Die Entwicklungs- und Umweltorganisation überzeugte die Jury mit ihrem Kampagnen-Konzept für die Einführung einer CO2- Abgabe. Auch die Lobby für das Erreichen der Pariser Klimaziele soll mit der Vergabe gestärkt werden. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Jury mit unserem Konzept überzeugen konnten“, kommentiert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, die Entscheidung. „Angesichts fehlender CO2-Preise droht Deutschland auch die nächsten Klimaziele krachend zu verfehlen. Die Projektförderung durch die Stiftung Neue Energie ermöglicht uns gemeinsam mit vielen Partnern in der Zivilgesellschaft auf ein Umlenken zu drängen."

2019: Druck beim CO2-Preis

08/2019: In einem Meinungsbeitrag fragt Dr. Hermann Falk: "Klimakrise: Kommt die CO2-Abgabe?" Seine Einschätzung: Die CO2-Bepreisung ist als Thema in der breiten Öffentlichkeit ankommen. Diese macht nun Druck auf die Politik, welche sich in einer "klimapolitischen Lethagie" befinde.

11/2019: Ein von der Stiftung Neue Energie in Auftrag gegebenes Gutachten fordert einen schnelleren Anstieg beim CO2-Preis. Das Kurzgutachten des IKEM – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität untersuchte die Verfassungsmäßigkeit des Entwurfs zum Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Sollte keine Anhebung des Preises erfolgen und auch weitere Schritte nicht eingeleitet werden, bleiben verfassungsrechtliche Bedenken und eine mögliche Preisexplosion, auf die sich Unternehmen nicht ausreichend vorbereiten können. Massive Rückforderungsansprüche der Betroffenen wären die Folge.

11/2019: Die Stiftung Neue Energie schließt sich den Foundations For Future an. Foundations for Future versammelt Stiftungen, die sich mit Fridays for Future solidarisieren und damit die Forderung an die Bundesregierung richten, sich ans Abkommen von Paris zu halten und das 1,5 Grad Ziel noch zu erreichen.